Unsere Reise und das Coronavirus

Viele von euch stellen uns in letzter Zeit Fragen zu eventuellen Komplikationen bei unserer Reise durch den Coronavirus (COVID-19). Die Fragen sind allein daher berechtigt, da wir uns derzeit in Südostasien und somit nahe dem Ursprung der Epidemie befinden.

Doch, um vorweg Verwirrung zu vermeiden: die Beiträge auf dieser Seite entsprechen keineswegs dem aktuellen Stand der Reise. Wir sind meist schon viel weiter, als wir hier bekanntgeben. Das hat allerdings nur damit zu tun, dass unsere Reise zum Fulltime-Job avanciert ist – es bleibt wenig Zeit, um die vielen Erinnerungen niederzuschreiben. Jetzt gerade (10.03.2020) befinden wir uns bereits in Nordostindien, im Bundesstaat Arunachal Pradesh.

China haben wir am 23.11.2019 verlassen und somit deutlich vor Bekanntwerden des Virus. Auch, wenn es Vermutungen gibt, das Virus sei schon vorher ausgebrochen und vertuscht worden, so ist der offizielle Ausbruch dem 31. Dezember 2019 und die offizielle Identifizierung des Erregers auf 7. Januar 2020 zurückzuführen. Der Ausbruch wurde in der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei gemeldet, also von unserer Reiseroute über 800 km Luftlinie entfernt. Bei uns gab es folglich nie einen Zweifel daran in irgendeiner Weise infiziert worden zu sein. Zumal die relativ lange Inkubationszeit bis zu 14 Tage beträgt und wir China über einen Monat zuvor verlassen haben.

Uns erreichten die ersten Nachrichten über den Virus also erst im Süden von Laos und die mediale Aufmerksamkeit brauchte einen Moment, um Regung in die Sache zu bringen. In Thailand begann es dann mit den ersten Touristen, die wir in Chiang Mai mit Gesichtsmaske umherlaufen sahen. Wir mussten schon hier ein wenig schmunzeln, da auch zu diesem Zeitpunkt der Nutzen zweifelhaft war. Aber ja, die vielen chinesischen Touristen, die hier das chinesische Neujahr feierten, brachten einen zumindest etwas ins Grübeln.

Das erste Mal, dass wir einen ernsthaften Einfluss auf unsere Reise spürten, war am 02. Februar 2020, als wir die Grenze von Thailand nach Myanmar passierten. Dort war vor dem Grenzgebäude ein Posten aufgebaut, bei welchem chinesische Staatsbürger einem „Medical Check“ unterzogen wurden. Auf burmesischer Seite mussten auch Johanna und ich, sowie unser Kompagnon Yves uns in ein Register zur Nachverfolgung der Einreisenden eintragen und wurden „gefieberscanned“. Aber alles erfolgte recht harmlos und die zwei „Krankenschwestern“ beendeten das Prozedere mit einem Arm-in-Arm-Selfie zusammen mit Johanna.

Unterwegs in Myanmar gab es nur eine Kontrolle des laufenden Verkehrs, bei dem allerdings nur die Fahrgäste, nicht die Fahrer auf Fieber kontrolliert wurden.

Der Grenzübergang nach Indien am 17.02.2020 sah schon etwas ernster aus. Das Immigration Office auf indischer Seite beäugte uns etwas vorsichtiger und wir mussten einen „Medical Check“ über uns ergehen lassen, der darin bestand ein Gespräch mit einem Militärarzt zu führen und auf Fieber geprüft zu werden. Johanna war die erste „Patientin“ und musste sich schon etwas nachbohrendere Fragen zu den China-Stempeln im Reisepass gefallen lassen. Nachdem sie versicherte, dass wir die Metropolregionen gemieden hätten und sowieso ja viel früher als der „Outbreak“ ausgereist waren, konnten wir beide recht problemlos passieren.

Nun sind wir bereits über 3 Wochen in Indien, haben zwischendrin einen etwas ängstlichen Hotelier erlebt (bei dem wir auf dem Gelände campierten) und haben vor etwa einer Woche einen beginnenden Wandel bei den Menschen feststellen können. In Arunachal Pradesh sind wir ein paar Tage bei einem Guide namens Tajo untergekommen, der während unseres Aufenthaltes auch noch über das Virus schmunzeln konnte, doch am Tag unserer Abreise bekam er Nachricht, dass einer japanischen Fotografin, die zusammen mit ihm das Leben der Apatani dokumentieren wollte, das Visum suspendiert wurde.

Am selben Tag (08.03.2020) erreichten wir Itanagar, um ein paar Erledigungen in der Stadt zu machen. Auf unserem nicht sehr langen Ausflug zu Fuß wurden wir gleich 4 Mal mit dem Kommentar „Corona“ bedacht. Kein schönes Gefühl, den dieses Urteil wurde nur aufgrund unserer optischen Andersartigkeit gefällt. So also fühlt sich Diskriminierung an.

Gestern (09.03.2020) erfuhren wir dann, dass für den Bundesstaat Sikkim keine Inner Line Permits (ILPs) für Ausländer mehr ausgestellt werden. Da wir dort nach Arunachal Pradesh hinwollten, riefen wir beim Deutschen Konsulat in Kalkutta an und fragten nach. Tatsächlich können wir uns die Einreise bis auf Weiteres abschminken. Nicht einmal nach Darjeeling werden wir reisen können. Damit ist unsere geplante 10-Tageswanderung wohl dahin. Wir erfuhren währenddessen von Tajo, dass auch die für Arunachal Pradesh benötigten Protected Area Permits (PAPs) vollständig annulliert wurden. Auf Nachfrage wurde uns aber gesagt, dass unser PAP aufgrund unserer vollzogenen Einreise seine Gültigkeit behält. Wir hoffen darauf und werden noch sehen.

Gestern waren wir drauf und dran hier alle Zelte abzubrechen und schnell nach Nepal zu fahren, um nicht in Indien festzusitzen. Wir können hier zwar insgesamt 3 Monate am Stück verbleiben und das Visum ist gültig bis Mitte Juni. Aber wir malen uns bereits den Worst Case aus.

Was, wenn alle Grenzen zu sind und wir nur noch nach Hause fliegen können?

Dann hätten wir in Indien das Problem, dass wir das Auto aufgrund von Zollangelegenheiten nicht für lange im Land verbleiben lassen können. In Nepal ist das einfacher. Viele in der Overlander-Community, die derzeit in einer ähnlichen Situation sind wie wir, informieren sich bereits bzgl. Verschiffung ihrer Fahrzeuge von Indien nach Europa. Eigentlich kommt das für uns nicht in Frage, aber wir können nicht verhehlen, dass wir ihnen zuhören.

Wir haben uns nun dazu entschieden weiterzufahren, und zwar zunächst nach Tawang. Danach nehmen wir den Weg nach Nepal auf uns und hoffen, dass die Grenzen dann immer noch für uns offen sein werden. Wir werden die Bezeichnung „Corona“ über uns ergehen lassen und möglichst drüber lachen, denn um ehrlich zu sein, ist diese Diskriminierung – zumindest in unserem Fall – lachhaft! Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Inder um uns herum infiziert ist, ist um ein Vielfaches höher, als dass wir es sind. Wir sind halt doch viel unter uns und seit Chiang Mai sind wir fleißige „Hände-Desinfizierer“. Viele Menschen werden zumindest in den nächsten Tagen nicht auf uns warten. Stadtbesuche haben wir für uns abgesagt.

Jetzt heißt es Nachrichten verfolgen und hoffen. Sollte sich die Situation irgendwie ändern, geben wir euch ein Update!

#savejourney

2 Kommentare bei „Unsere Reise und das Coronavirus“

  1. Birgitt Frömming sagt: Antworten

    Hallo ihr beiden….. Ich hoffe, euch geht es weiterhin gut, und ihr könnt eure spannende Reise ohne große Schwierigkeiten weiter führen. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und alles Gute für eure Weiterfahrt. Viele Grüße. Birgitt 🙋‍♀️

  2. Klaus Borcherding sagt: Antworten

    Hi Johanna und Malte,
    vielen Dank für euren Beitrag in Corona-Zeiten. Wie bei euch (ohne das ich weiß, wo ihr ganz aktuell steckt) ist in Deutschland auch schon vieles ordentlich durcheinander; in Schleswig-Holstein vermutlich weniger als in Bayern, in Deutschland ganz sicher (noch?) viel weniger als in Italien oder Spanien. Hier sind viele Existenzen wirtschaftlich sehr ernsthaft bedroht und keiner kann sich bei der fehlenden Perspektive: wann wird Corona besiegt sein? so richtig vorstellen, wie es weitergehen soll. Die Politik tritt aktuell wohltuend geschlossen und kraftvoll auf – was die Tatkraft und die Arbeitsgeschwindigkeit der ausführenden Institutionen angeht, weiß man allerdings noch nichts Genaues. Ich versuche z.Zt. vor allem durch weitgehende Kontaktlosigkeit meine Frau abzuschirmen – mit ihrem implantierten Defibrillator und nur noch halber Leistungskraft des Herzens steht sie in den Risikogruppen leider ziemlich weit vorn. Dennoch sind wir im Vergleich zu ganz vielen anderen sehr privilegiert: großes Haus, eigener Garten, Auto zur Verfügung und (speziell ich) Projekte in Haus und Garten bis zum Lebensende…
    Ich wünsche euch natürlich vor allem, dass ihr gesund bleibt oder zumindest glimpflich davonkommt und dass ihr einen guten Weg zurück nach Flensburg findet. Bei allem gar nicht geplanten und planbaren aktuellen Unbill: zehrt von dem, was ihr schon erlebt und gesehen habt.
    Ich wünsche euch eine gute Heimkehr ohne zu viele Erlebnisse aus dem dunklen Bereich menschlicher Verhaltensweisen.
    Herzliche Grüße
    Klaus

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